BLICK Ausgabe 1/2023

11 HINTERGRUND und 9). Wir gehen davon aus, dass 2025 etwa die Hälfte aller Leasinggesellschaften einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen muss. Da die neuen Standards mit denen der Finanzberichterstattung vergleichbar sind und der Report vom Abschlussprüfer zu begutachten ist, will die Nachhaltigkeitsberichterstattung gut vorbereitet sein. Es mangelt an validen Daten Banken und Leasinggesellschaften, die über Geschäftsbereiche und Prozesse hinweg Nachhaltigkeit als Querschnittsthema etablieren, sind im Vorteil. Statt sich auf vereinzelte Initiativen und siloartige Datenhaushalte zu verlassen, können sie klare Berichtswege etablieren, um das Reporting auf einer konsolidierten Basis aufzusetzen. Große Unsicherheit herrscht indes noch darüber, welche Daten in den Bericht einfließen müssen und wie Finanzierer diese beschaffen können. Es gilt zu klären, welche Rohdaten in welcher Granularität und welchen Intervallen benötigt werden. Aus welchen Systemen könnten sie gewonnen werden und wo ist man auf externe Zulieferungen angewiesen? Eine der zentralen Herausforderungen wird darin bestehen, korrekte Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Für den CO2-Fußabdruck müssen Leasinggesellschaften verschiedene Kennzahlen zusammentragen. Neben den direkten Emissionen im Unternehmen (Scope 1) fallen auch die Schadstoffe aus eingekaufter Wärme und Strom (Scope 2) darunter, vor allem aber indirekte Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten aller Art (Scope 3) – von eingekauften Waren und Dienstleistungen über Geschäftsreisen und Pendeln bis zu den verleasten Objekten. Diese Daten valide zu ermitteln, stellt eine zeitaufwendige Fleißarbeit dar, wenn sie überhaupt zu stemmen ist. Was emittieren verleaste Objekte? Die größte Schwierigkeit besteht darin, die verleasten Objekte genauer unter die Lupe zu nehmen. Gesellschaften müssen nicht nur wissen, wie viel CO2 bei der Herstellung entstanden ist, sondern auch, wie es sich auf die Atmosphäre auswirkt, wenn die Leasingnehmer sie nutzen. Die Daten sind weder in dem benötigten Umfang noch in der erforderlichen Qualität vorhanden. Finanzierern bleibt nichts anderes übrig, als möglichst früh einen klaren Fahrplan für die Datensammlung zu erstellen. Je nachdem, wie sie system- und softwareseitig aufgestellt sind, können sich Synergien ergeben, weil beispielsweise Daten aus dem Vertrags- und Objektmanagement sowie externen Datenquellen sinnvoll verknüpft werden können. Vom Nachhaltigkeitsbericht auf Knopfdruck ist die Branche jedenfalls noch weit entfernt. So ist bereits bekannt, dass der Gesetzgeber im endgültigen Berichtsstandard über 100 KPIs verlangt. Ohne eine zentrale Plattform wird es den Unternehmen kaum gelingen, die geforderten Informationen bereitzustellen, zumal die Anforderungen an Speicherung, Historisierung und Verfügbarkeit, um nur einige Faktoren zu nennen, wenig Spielraum lassen. Zu allem Überfluss bewegen sich die Finanzierer bei aller Detailtiefe auf ein „moving target“ zu, weil die Vorgaben noch im politischen Diskussionsprozess sind und keine Best Practices existieren. So bleibt – Stand heute – festzuhalten: Aus gesamtgesellschaftlicher Verantwortung stellt sich eine NetZero-Strategie als alternativlos dar. Wie diese praktisch und mit welchen Instrumenten umgesetzt werden kann, zeichnet sich noch nicht klar ab. Thomas Schmidt, RS&M Risk, Sustainable Finance and More Kontakt: +49 (0) 175 9170553 thomas.schmidt@ consulting-rsm.de © Fotostudio Arlene Knipper Wie viel CO2 stößt eine Landmaschine im Einsatz aus? Finanzdienstleister müssen viele Fragen beantworten, bevor sie einen Nachhaltigkeitsbericht verfassen.

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