9 Zur reinen Finanzierung der Investitionen in neue Technologien kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind auf externes Know-how in puncto Nachhaltigkeit angewiesen. Hier können Leasinggesellschaften unterstützen und ihre Kunden künftig verstärkt bei der Auswahl und Nutzung von nachhaltigen Wirtschaftsgütern sowie zur Inanspruchnahme von Förderprogrammen beraten. BLICK: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, vor denen die Leasinggeber derzeit stehen, um die zukünftigen Anforderungen im Zusammenhang mit ESG-Reportings einzuhalten? Dr. Claudia Conen: Die in der CSRD vorgebenen Bilanzsummen- und Umsatzgrenzen sorgen dafür, dass auch kleine Gesellschaften mit weniger als 50 Mitarbeitern berichtspflichtig werden können. Jedoch sieht das EU-Regelwerk, insbesondere die European Sustainability Reporting Standards (ESRS), keinerlei Proportionalitätsprinzip vor. Damit gilt derselbe Detaillierungsgrad der Berichterstattung für eine Großbank oder einen Großkonzern wie für eine kleine Leasinggesellschaft. Das hat zur Folge, dass auch diese Gesellschaften eine enorme Menge an neuartigen Daten erheben, auswerten, hochrechnen und in die internen Steuerungsprozesse und das Reporting einbinden müssen. Dabei sollen auch KMUs nicht nur auf unmittelbare Vertragspartner, sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette abstellen. All das bindet personelle Ressourcen, gerade in Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels, und erfordert massive Investitionen in die IT. BLICK: Gerade für die vielen kleinen und mittleren Leasinggesellschaften stellen die ESG-Reporting-Pflichten eine große Herausforderung dar. Muss hier jeder „das Rad neu erfinden“ oder gibt es auch verbandsweite Ansätze zur Bündelung von Wissen und Bildung von Standards? Wenn ja, welche sind dies? Dr. Claudia Conen: Der BDL unterstützt seine Mitglieder kontinuierlich mit Maßnahmen zur Wissensvermittlung, darunter Workshops wie die ESG-Toolbox, Seminare und Fachveranstaltungen wie das Forum Nachhaltigkeit, sowie mit Anwendungshinweisen zum Beispiel zur Durchführung einer Basis- und Wesentlichkeitsanalyse. Die Leasingbranche ist – wie Sie wissen – sehr heterogen. Eine „one size fits all“-Lösung hilft also nur begrenzt weiter. Vielmehr brauchen wir mehr Proportionalität in den regulatorischen Anforderungen und einen engen Branchenaustausch über Lösungen. BLICK: PS Team erarbeitet gemeinsam mit Unternehmen der Leasingbranche analog zu PS DataCollect ein Produkt zur Ermittlung der CO2-Footprints bei Leasingobjekten. Wie stehen Sie generell zu der gemeinsamen Entwicklung von Softwarelösungen durch die Leasingindustrie und deren Dienstleister wie PS Team? Dr. Claudia Conen: Wir begrüßen es sehr, wenn Dienstleister, die meist auch assoziierte Mitglieder des BDL sind, mit Leasinggesellschaften Lösungen entwickeln, die dann von vielen Gesellschaften genutzt werden können. Unsere Netzwerke und Fachforen bieten viele Möglichkeiten zum Austausch und stellen sowohl Visionen als auch konkrete Lösungsansätze vor. MÄRKTE Dr. Claudia Conen ist Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjUxODg=